Zieh doch mal was durch
Irgendwie ist mir die Malerei abhanden gekommen. Meine Kreativität lebte ich in den letzten Jahren mit Programmieren aus. Davor lag mein Fokus mehr auf Installationen oder auf Tanz und Performance. Nun habe ich endlich wieder meine alten, mittlerweile teils eingetrockneten Stifte ausgepackt.

Um den inneren Schweinehund zu überwinden führte ich für ein paar Wochen–einmal die Woche, für ein bis zwei Stunden–einen Mal-Termin mit mir selbst ein. Die Leinwand habe ich–bereits vorgeschwärzt–in meinem Keller gefunden. Meine Challenge war, nichts vorzuzeichnen. Jede Linie zählt. Zu Beginn nutzte ich nur einen Lack-Marker (edding 750). Für feinere Linien kam später ein Acryl-Marker (MOLOTOW 127HS) hinzu. Zu hundert Prozent konnte ich meine Challenge nicht erfüllen. An zwei, drei Stellen musste ich mit einem schwarzen Acryl-Marker korrigieren. Aber egal. Was zählt ist, dass ich meinen Schwung im Arm nicht völlig verloren habe.
Es tut nicht nur allgemein gut, wieder zu malen. Meine Gedanken in ein anderes Format als Text zu transformieren ist befreiend. Es ist ein Selbstbildnis und eine Aufarbeitung meiner Spätdiagnose ADHS Anfang diesen Jahres. Es ist auch ein Auftakt, mich wieder mehr der Kunst, statt dem Programmieren zu widmen.
Bild-Metadaten
- Titel
- Zieh doch mal was durch.
- Jahr
- 2025
- Material
- Lack und Acryl auf Leinwand
- Maße
- 50cm x 70cm
- Soundtrack
- Album „Ascii Disko“ der Band Ascii Disko
- Lizenz
- CC BY-NC-SA 4.0
- Download-Link
- hohe Auflösung
Bildbeschreibung (langer Alternativ-Text)
Abstrakte Zeichnung mit Edding und Acrylmarker, weiße Linien auf schwarzer Leinwand (50x70). Alle Elemente sind mit direkten oder gedachten Linien verbunden.
Mittig läuft eine Person auf unebenem Boden nach links, zieht einen Sack hinter sich her und versucht, nach einem Stern vor sich zu greifen. Die Beine sind wackelig.
Über ihr sind links eine Sonne und rechts Wolken, die zugleich teils verschwommene Denkblasen sind. Die Sonne ist hübsch verziert, 2 Strahlen brennen sich ins Gesicht.
Rechts hinter der Person sind mehrere Leute auf einer karierten Ebene. Von ihnen gehen Schallwellen aus, die auf das Ohr einprasseln. Die Schraffur der Wellen verschmilzt oben mit den Haaren und nach unten mit einem Baum.
Die Baumwurzeln sind über dem gezogenen Sack. Unter dem Sack ist ein Ast (oder eine umgekehrte Wurzel), die aus dem Buchstaben „H“ entspringt. Das „H“ ist Teil eines Graffito „ADHS“ im unteren Drittel des Bildes und sitzt versetzt über dem „D“.
Rechts unten ist ein Wegweiser. „nD“ zeigt auf den hügeligen Weg. „NT“ zeigt eine Treppe hinauf, die zur Ebene im Hintergrund führt.
Auf den Treppenstufen steht (von unten nach oben):
- „Versuche, das zu ändern!“
- „Zieh doch mal was durch.“
- „Dieses Schreiben wurde maschinell erst…“
- „Ich sehe in Ihnen etwas Depressives.“
In den Denkblasen steht (von links nach rechts):
- "Fast da. Diesmal wirklich! Danach wird alles einfacher. Ich muss nur durchziehen.
- durch Noten symbolisierter Ohrwurm „zuhu spät, zu spät, zu spähät…“
- „Reden die über mich? Nein. Nur Silben. Klang wie mein Nam…“
- „42:0 → fail :( 0:0 → bräuchte Paralleluniversum m. anderer Mathematik → oder kein Universum → Urknall entstand durch Teilung von Nichts durch Null. Klingt plausibel. Wo war ich eigen…“
Die Person schaut angestrengt. Unter einem Auge ist eine Träne.